'der orient ist die wahre mutter europas, und unsere schlummernde sehnsucht geht immer dorthin' - bruno taut

Donnerstag, 23. Januar 2014

plötzlich ist die hälfte rum

die schwersten, härtesten, kräfteraubendsten und lehrreichsten fünf monate meines lebens sind nun vorrüber. ich habe noch nie so gelitten aber auch noch nie so gekämpft.
ich sass im flugzeug, sah die sanften hügellandschaften und das klarblaue mittelmeer unter mir hinweggleiten, ich war euphorisch, das erste mal auf türkischem boden zu stehen,
ich dachte in afacan, unserem paradies, schon so viel verstanden zu haben,
war da schon stolz auf mich, den abschied für 10 monate hinter mich gebracht zu haben.
ich schrieb in mein tagebuch, wie sehr ich dieses land liebe, dass es die wohl schönste landschaft
zu bieten hat, die ich je gesehen habe.
all das, um dann in istanbul ins kalte wasser geschmissen zu werden.
aber wäre die motivation, die kindlich-naive vorfreude nicht gewesen, wäre ich dann bis hierhin gekommen? und nach all dem negativen, was hier geschehen ist, liebe ich dieses land immer noch,
auf eine andere art und weise vielleicht. wie oft wünsche ich mich nach finnland, um dieser manchmal übertriebenen mentalität hier zu entfliehen. aber wie sehr bereichernd sie auch ist,
die wärme, die einen hier nahezu überall umgibt. die unglaubliche gastfreundschaft, mit der einem
hier von allen seiten begegnet wird, das interesse und die rührende herzlichkeit.
ich habe viel gelernt - über deutschland und die türkei
und wenn ich eins über mich gelernt habe, dann, dass ich stark bin.

die hälfte ist rum.
war ich nicht noch gerade in deutschland, sommerferien, letzte reisevorbereitungen?
und nun ist schon soviel vorrüber und wie von selbst ist die türkei mir soviel näher gekommen.
wenn ich eins weiß, dann, dass ich zurückkehren werde. vor allem nach istanbul, die stadt, deren
sonnenuntergänge, deren belebtheit und vielfalt ich immer noch vermisse.
aber wie sehr ich mich auch freue, auf hamburg. auf menschen, die so sind wie ich, die eine
norddeutsche mentalität haben. die nicht leute "freund" nennen, die sie erst seit fünf minuten
kennen und die mich nicht gefühlte eine million mal pro tag fragen, wie es mir geht und wie mein leben läuft, wobei die antwort von allen seiten sowieso immer gut ist.
manchmal kommt mir deutschland vor, wie eine weit entfernte utopie. die freiheit, die 16jährige
jugendliche dort genießen dürfen, die selbstverständlichkeit von zum beispiel alkoholkonsum,
das (fehlende) temperament, die organisation und ordnung.

ich liebe beides unbeschreiblich doll und weiß, dass beides okay ist - temperament und ruhe,
wärme und kälte, organisation und chaos. es ist so, wie die menschen sich ihr leben über jahrhunderte eingerichtet haben und es tut gut, zu wissen, dass der mensch ein anpassungsfähiges wesen ist,
was sich über kurz oder lang in einem fremden ort zurechtfinden kann.

1 Kommentar:

  1. Unglaublich, wie die Zeit vergeht - 5 Monate schon rum!!
    Ich bin stolz auf dich, dass du durchgehalten hast! Und die zweite Hälfte wird hoffentlich schöner, leichter, unbeschwerter. Alles Liebe, Sanne

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